Darf man im Schrebergarten eine Toilette haben?

Wer stundenlang im Garten ackert, dort Party macht oder sogar übernachtet, der muss irgendwann zwangsläufig aufs Klo. Einige Leute werden sagen: Dafür ist ja die Laube da! Da kann man eine Toilette einbauen! Das stimmt zwar, aber – wie immer im Kleingarten – muss man dabei einige Dinge beachten. Ich erzähle dir heute, welche das sind.



Grundsätzlich darfst du natürlich eine Möglichkeit haben, dein Geschäft zu verrichten, aber eine herkömmliche Wassertoilette, wie du sie von zu Hause kennst, ist meistens verboten. Nach dem Bundeskleingartengesetz müssen Kleingärten „abwasserfrei“ bewirtschaftet werden, wenn sie nicht ans normale „Kanalsystem“ angeschlossen sind – und „das“ sind sie in den allermeisten Fällen eben nicht!

Ein Klo mit Sickergrube, bei der Abwasser einfach im Boden verschwindet, ist also absolut tabu und kann richtig teuer werden, wenn das auffliegt. Fest verbaute Abwassertanks, die regelmäßig von einem Saugwagen geleert werden müssen, sind genehmigungspflichtig und wenn die Zufahrt für die schweren Fahrzeuge in den schmalen Gartenwegen nicht möglich ist, fällt auch diese Option weg. Außerdem ist das natürlich mit hohen Kosten verbunden.

Die meisten Gärtner und Gärtnerinnen greifen daher auf mobile Lösungen zurück, wobei die chemische Toilette, oft unter dem Namen Porta Potti bekannt, noch immer weit verbreitet ist. Diese sind zwar praktisch und passen in jede Ecke der Laube, haben aber den großen Nachteil, dass du die Chemie-Brühe nicht einfach irgendwo hinkippen darfst. Du musst den Behälter entweder mit nach Hause nehmen und über deine eigene Toilette entleeren oder eine zentrale Entleerungsstation im Verein nutzen, falls es dort eine gibt.


ACHTUNG: Hier gibt es keine Rechtsberatung. Es handelt sich um eine persönliche Sicht der Dinge! Und nicht vergessen: Jeder Verein ist anders! Kontaktiere bei konkreten Problemen einen Rechtsbeistand.


In den letzten Jahren hat sich jedoch ein neuer Trend durchgesetzt, der viel besser zum ökologischen Gedanken des Gärtnerns passt: die Trockentrenntoilette. Dabei werden flüssige und feste Ausscheidungen getrennt gesammelt, was die Geruchsbildung fast komplett verhindert, da ohne Feuchtigkeit keine Fäulnisprozesse entstehen. Die Feststoffe werden meist mit Sägespänen oder Rindenmulch abgedeckt und können nach einer fachgerechten Kompostierung sogar als Dünger für Zierpflanzen genutzt werden, während der Urin stark verdünnt ebenfalls als Stickstoffdünger dienen kann, sofern das bei euch erlaubt ist.

Wichtig ist in jedem Fall, dass du einen Blick in deine spezifische Gartenordnung wirfst, da dort ganz genau stehen sollte, welche Systeme erlaubt sind und wie die Entsorgung zu erfolgen hat. Wer seine Notdurft übrigens einfach hinter der Hecke oder im Gebüsch verrichtet, riskiert nicht nur den Frieden mit den Nachbarn, sondern verstößt auch gegen Hygieneregeln. Denk gar nicht dran! Das gibt garantiert eine Abmahnung und kann auch rechtlich bedenklich sein.

Noch ein paar Worte zum Klopapier

Wenn du dich für die klassische Chemietoilette entscheidest, stehst du im Baumarkt erst mal vor diesem speziellen Camping-Klopapier, das locker das Dreifache von dem normalen Zeug kostet. Das Versprechen ist, dass es sich im Tank rasend schnell auflöst, damit beim Ausleeren nichts verstopft. Ganz unter uns: Meistens tut es auch das billigste, einlagige Recycling-Papier aus dem Discounter, weil das auch recht fix zerfällt. Was du aber absolut vermeiden solltest, ist das superflauschige Vier-Lagen-Luxuspapier. Das Zeug ist im Tank wie Filz und sorgt beim Entleeren für Momente, die du garantiert nicht in deinem Garten-Tagebuch festhalten willst.

Bei einer Trockentrenntoilette sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Da das Papier im Grunde ja nur aus Zellulose besteht, also nichts anderes als verarbeitetes Holz ist, könnte es theoretisch mit in den Feststoffbehälter wandern. Der Haken ist nur, dass Klopapier im Vergleich zu den Hinterlassenschaften ewig braucht, um zu verrotten, und deinen Behälter viel zu schnell voll macht. Viele Gartenfreunde machen es deshalb wie im Urlaub im Süden: Ein kleiner Mülleimer mit Deckel und Beutel direkt daneben, in den das benutzte Papier wandert. Das klingt für Neulinge im ersten Moment vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, ist aber die sauberste Lösung für das System und schont deinen Kompost.

Ein absolutes No-Go für alle Systeme im Garten sind übrigens feuchte Tücher oder diese Reinigungstücher für die Brille. Die bestehen oft aus Kunststofffasern und lösen sich überhaupt nicht auf. In einer Chemietoilette ruinieren sie dir jede Mechanik und auf dem Kompost hast du sie noch in zehn Jahren als unschöne Überreste liegen. Wenn du es besonders frisch magst, ist eine kleine Sprühflasche mit Wasser die ökologisch sinnvollere Wahl. Und noch ein kleiner Tipp am Rande: Lager dein Klopapier in der Laube unbedingt in einer dicht schließenden Plastikbox. Es gibt nämlich nichts, was Mäuse mehr lieben, als eine weiche Rolle Klopapier, um sich daraus das gemütlichste Nest der Welt zu zupfen. Da ist die Rolle dann über Nacht geschreddert und für dich unbrauchbar.

Eine Lösung für alle

Und es gibt in vielen Anlagen eine sichere Alternative für alle: Im Vereinshaus ist in der Regel eine Toilette vorhanden, die auch an das normale Abwassersystem angeschlossen ist. Deswegen machen die Vereine diese Toiletten oft für Mitglieder zugänglich, so dass der Gang zum Klo zwar manchmal ein paar Meter lang, aber jederzeit möglich ist.

Das Thema „Toiletten im Kleingarten“ brodelt übrigens schon seit Jahren und es gab tatsächlich immer wieder lautstarken Protest gegen das Spültoiletten-Verbot. Als die Umweltauflagen verschärft wurden und die alten Sickergruben von heute auf morgen verboten waren, standen tausende Pächter vor dem Problem, dass sie entweder für viel Geld dichte Tanks vergraben oder auf Eimertoiletten umsteigen mussten. Das hat für eine Menge Wut gesorgt.

Ich will nicht zu sehr in die Tiefe gehen, aber hier kurz ein paar Hintergrundinfos: Die alten Sickergruben wurden verboten, weil sie Abwasser samt Bakterien und Medikamentenresten ungefiltert ins Grundwasser lassen. Da in Kleingartenanlagen viele Menschen auf engem Raum leben, wurde die Belastung für den Boden einfach zu groß, weshalb der Gesetzgeber heute dichte und kontrollierte Systeme vorschreibt.

Die Pächter argumentieren aber, dass die Mengen an Abwasser im Vergleich zu einem normalen Haushalt lächerlich gering seien, da man ja meistens nur am Wochenende im Garten ist und die Natur mit diesen kleinen Mengen durch die natürliche Filterwirkung des Bodens locker fertig werden würde. Meine heutige Frage kannst du dir schon denken. Was ist deine Meinung? Ist das Spültoiletten-Verbot im Schrebergarten sinnvoll, oder eine Regel, die völlig übertrieben ist? Hast du weitere Lösungsvorschläge?