Darf man im Schrebergarten Hühner halten?

Immer mehr Menschen interessieren sich für die Hühnerhaltung. Auch Städter haben inzwischen die Liebe zum Federvieh entdeckt. Dabei geht es um Selbstversorgung und darum, dass man wissen will, wo seine Lebensmittel herkommen. Wer unterstützt schon gerne die Massentierhaltung?



Hühner werden oft liebevoll als die kleinsten Bio-Mülltonnen der Welt bezeichnet, da sie einen großen Teil der Küchenabfälle verwerten können und im Gegenzug nicht nur Eier, sondern auch Dünger für das heimische Hochbeet liefern. Das schreit doch geradezu nach einer Hühnerhaltung im Schrebergarten, oder? Ich muss dich enttäuschen. Hühnerhaltung ist – du kannst es dir schon denken – verboten. Es gibt zwar ganz seltene Ausnahmen, die auf sehr alten Pachtverträgen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg basieren, als die Selbstversorgung noch einen ganz anderen Stellenwert hatte, doch dieser sogenannte Bestandsschutz gilt nur für den jeweiligen Pächter persönlich und wird bei einer Neuvergabe des Gartens fast nie auf den Nachfolger übertragen. Aber hör dir ruhig noch kurz die Gründe an, bevor du dich aufregst!


ACHTUNG: Hier gibt es keine Rechtsberatung. Es handelt sich um eine persönliche Sicht der Dinge! Und nicht vergessen: Jeder Verein ist anders! Kontaktiere bei konkreten Problemen einen Rechtsbeistand.


Was für den einen das pure Landidyll mit gackernden Hühnern ist, kann für den Nachbarn , der seine Ruhe haben will, purer Stress sein. Stell dir vor, du liegst gerade entspannt in der Hängematte und direkt nebenan fängt der Hahn an, alles zusammenzukrähen. Da ist der Zoff am Zaun eigentlich schon vorprogrammiert, und genau diesen Ärger wollen die Vereine von vornherein vermeiden. Hühner haben auch leider kein Gespür für Grundstücksgrenzen, und ein normaler Jägerzaun oder eine niedrige Hecke sind für sie eher eine Einladung als ein Hindernis. Wenn deine Hühner dann beim Nachbarn im frisch bepflanzten Salatbeet landen oder die teuren Setzlinge ausgraben, ist die gute Stimmung in der Gartenanlage sofort Geschichte. Hühner scharren nun mal für ihr Leben gern und können in einem gepflegten Garten innerhalb weniger Minuten ein ziemliches Chaos anrichten.

Um das sicher zu verhindern, müsstest du deine Parzelle eigentlich mit einem hohen, engmaschigen Zaun oder einem Netz sichern, was aber in den meisten Vereinen streng verboten ist, da die Gärten offen und einsehbar bleiben müssen. Du landest also in einer Sackgasse, in der du entweder gegen die Zaunregeln verstößt oder riskierst, dass deine Tiere ständig die Nachbarn besucht. Da Kleingärtner oft sehr viel Herzblut in ihre Beete stecken, führt so ein kleiner Ausflug fast unweigerlich zu einer offiziellen Beschwerde beim Vorstand oder sogar zu Schadensersatzforderungen.

Ein riesiges Thema, bei dem jeder Vorstand sofort Schnappatmung bekommt, sind außerdem die Ratten. Hühnerfutter ist für die ungebetenen Gäste wie ein offenes Buffet, und wenn die Viecher erst mal da sind, kriegst du sie aus der ganzen Anlage kaum wieder raus. Da die Parzellen so dicht beieinanderliegen, hat dann nicht nur der Hühnerbesitzer das Problem, sondern die ganze Nachbarschaft. Dazu kommt noch der Geruch, der gerade im Hochsommer bei stehender Luft ziemlich intensiv werden kann.

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist der ganze bürokratische Rattenschwanz, der an so einem Huhn dranhängt. In Deutschland muss nämlich jedes Geflügel, egal ob es nur zwei oder zwanzig Tiere sind, offiziell beim Veterinäramt und bei der Tierseuchenkasse angemeldet werden. Wenn dann mal wieder die Vogelgrippe die Runde macht, wird es im Kleingarten richtig kompliziert. Dann gilt nämlich oft eine strikte Stallpflicht, was bedeutet, dass du deine Hühner in einem komplett geschlossenen und überdachten Bereich halten musst. In einer normalen Gartenparzelle ist das kaum machbar, ohne dass du ein riesiges, hässliches Gehege baust, das dann garantiert wieder gegen die Bauvorschriften für die Laube oder die maximale Flächenbebauung verstößt. Der Vorstand hat verständlicherweise keine Lust, sich mit dem Gesundheitsamt oder dem Veterinäramt herumzuschlagen.

Und dann ist da noch die soziale Komponente: Wer macht eigentlich den Dienst, wenn du mal im Urlaub oder krank bist? Hühner brauchen jeden Tag jemanden, der sie morgens rauslässt, füttert und abends wieder sicher einsperrt. Im Gegensatz zu einem Blumenbeet kannst du Hühner nicht einfach mal ein Wochenende allein lassen. Wenn das nicht perfekt organisiert ist, gibt es sofort Ärger wegen Tierschutzbedenken. Am Ende geht es dem Verein auch darum, dass der Garten ein Ort zum Entspannen für Menschen bleibt und kein Mini-Bauernhof wird, bei dem sich alles nur noch um die Tierpflege dreht. Das klingt zwar alles ziemlich streng, aber die meisten Regeln sind eben entstanden, damit es bei der hohen Dichte an Leuten nicht zum großen Knall kommt.